Der Kappzaum- ein Werkzeug in der Tradition der Alten Meister

Der Kappzaum- ein Werkzeug in der Tradition der Alten Meister



Das Caveson ist in der Form , wie wir ihn nutzen, schon seit Jahrhunderten ein nützliches Werkzeug zur Ausbildung des Pferdes. Doch wann ist gebisslos die richtige Wahl der Zäumung?

 

 

Bild: Katrin Heimann

Bei Frederico Griso, unter dem Namen Grisone als "Vater der Reitkunst" seit der Renaissance bekannt, finden wir namentlich erwähnt die "Capezona "oder "Capuzona" ( lat: Caput = Haupt, Schädel,   lat: sonus= Klang, Schwingung, Wort ), den "Kappenzaum", "Kopfzaum" oder eben Kappzaum, wir wir ihn heute nennen. In seinem 1550 erschienenen Werk " Gli ordini del Cavalcare" beschreibt er die Arbeit mit dem Pferd in der von ihm in Neapel gegründeteten Ritterakademie ( = Reiterakademie), nach deren Vorbild in den nächsten Jahrhunderten überall in Europa ähnliche Institute entstanden, bevor die zwei Weltkriege im letzten Jahrhundert diese Tradition beendete.

Hier nimmt der Kappzaum in der Arbeit mit dem noch nicht so weit geschulten Pferd einen großen Stellenwert ein, vor allem bei der Arbeit mit der Longe wird er auch bei folgenden Reitmeistern das Mittel der Wahl sein. Anders als ein Gebiss im Maul des Pferdes umschließt der Kappzaum aufgrund seiner Bauart den gesamten Pferdeschädel und kann dem Pferd helfen, eine gute, balancierte Position des Schädel, entsprechend der Biegung der Wirbelsäule zu finden.

 


De la Noue, Reitmeister in Lyon und Enkelschüler von Grisone nutzt den Kappzaum für die Arbeit an der Longe um einen Pilaren herum. Der Reiter ist ein junger Edelmann aus dem heutigen Polen, der die rund 650 km zwischen seinem Heimatort und Südfrankreich gern in Kauf nahm, um an der Ritterakademie unter de la Noue das zu lernen, was es braucht um sich zu Recht Edelmann zu nennen. ( Privatarchiv)

Über die ganz offensichtliche Funktion, nämlich dass dem unerfahrenen, unbalancierten Pferd das empfindliche Maul geschont werden sollte, wurde der Kappzaum ganz aktiv dazu genutzt, Balance herzustellen. Dieser Gedanke ist ganz wesentlich für das Verstehen des Werkzeugs Kappzaums: das Pferd soll lernen, sich hinter dem Schädel so einzurichten, dass die gesamte Wirbelsäule, dessen vorderstes Ende der Schädel ist, eine Einheit bildet, die eine Linie beschreibt. Je weniger man am Pferdschädel manipuliert ( lat. "cum mano pellere"= mit der Hand ziehen), desto mehr hat das Pferd die Möglichkeit , zu einer Einheit zu finden. Erst dann, wenn das gelungen ist, fing man an, ein Gebiss aktiv zu nutzen.


Bei der Arbeit mit dem Kappzaum wurde oft ein Gebiss mit Anzügen, in der Regel eine Art Pelham, "blind" eingeschnallt, das heißt, das Pferd lernte, das Gewicht des Gebisses auf der Zunge zu balancieren. Unter dem Reiter nutzte man dann vier Zügel: ein Paar Zügel wurde an den Anzügen befestigt, ein weiteres Paar Zügel bildete den "Beizügel" und wurde gleich einem Trensenzügel direkt an der Öse in Mundstückhöhe angebracht. Diese Zügel konnten dann die Wirkung der Kinnkette ausser Kraft setzen. Hier ein Bild aus der "Maneige Royal" von Antoine de la Baume Pluvinel, Quelle : Bayr. Staatsarchiv


Der Kappzaum wirkt über den Nasenrücken also auf den Schädel ein, über den Genickriemen auch auf das Genick, das Cranio-Sakral-Gelenk ( Okziput). Optimal positioniert liegt er ca. zwei Finger unter dem Jochbein, um Druck auf den Trigeminus-Nerv zu vermeiden. Doch zu tief darf der Kappzaum auch nicht liegen: der Knochen des Pferdeschädels ist am Übergang zum Knorpel über dem oberen Nüsternrand erstaunlich dünn und kann schnell verletzt werden. Nicht nur die Knochenhäute sind hier empfindlich, sondern ist es auch möglich, dem Pferd tatsächlich die Nase zu brechen. Ein Verschnallen auf dem Knorpel sollte generell vermieden werden, da dem Pferd starke Schmerzen zugefügt werden. Wird der Kappzaum also zu hoch verschnallt, ist es für das Pferd sehr unangenehm, ist er aber zu tief verschnallt, ist es regelrecht schmerzhaft und so ausgesprochen rasant in der Wirkung. Die Idee des Menchen, das Pferd an den empfindlichen Schleimhäuten im Maul vor Schmerzen bewahren zu wollen ist zwar aufgegangen, aber das Pferd leidet trotzdem.


Zu den Nüstern hin wird der Knochen am Schädel hauchdünn und ist sehr verletztlich. Verschnallt man den Kappzaum zu tief, fügt man dem Pferd Schmerzen zu.


Um zu verstehen, wie eine Parade funktioniert, muß man ein wenig in die Osteopathie eintauchen, speziell in dden Bereich der Cranio-Sakral-Therapie. Dort finden wir den Begriff des PAM, des "primären Atemmechanismus", der das Pulsieren im gesamten Körper beschreiben möchte, das unabhängig vom Herz-Kreislauf-System besteht, trotzdem aber eine Art " Energiekreislauf " beschreibt, der für den Therapeuten, aber auch die geschulte Hand des Pferdeausbilders fühlbar ist. 


Die alten Meister kannten noch keine Osteopathie, sie mußten sich ganz auf ihr Gefühl und genaue Beobachtung verlassen. Diese Fähigkeit, gepaart mit dem tradionellen Wissen ihrer Vorgänger , war die Basis für ihre Arbeit mit dem Pferd. Sie waren in der Lage, ihre Pferde oft über das 30te Lebensjahr hinweg gesund und aktiv zu halten. Hier: die Hergabe des Genickes, ein freiwilliger Prozess, ausgehend vom Pferd , welches der Hand des Ausbilders ein Fühlen gestattet.


Ist dieser Kreislauf gestört, kommt es, vereinfacht gesagt, zu Störungen im Organismus. Gemäß des Verlaufs der Plantarfaszie ( über die Funktion der Faszien kann man HIER lesen) , der großen Oberflächenfaszie, entsteht im Pferd ein Energiefluss vom Schädel zum Hinterbein und zurück von der Huflederhaut des Hinterbeins zum Ansatz des Zungenbeins im Schädel des Pferdes- das ist dann am Zügel fühlbar. Wir sprechen hier von sogenannten "langen funktionalen Ketten", die durch das Bindegewebe, die Faszien, miteinander in Verbindung und Austausch stehen. Wirkt also die Hand des Ausbilders auf das Pferd ein, wirkt sie über den Schädel, über den gesamten Pferdekörper ,auf den Hinterhuf des Pferdes ein. Wenn keine Spannung fühlbar ist, dann erhalten wir eine ganze Parade. Dürfen wir unser Pferd sogar mit noch mehr Energie anfüllen, so das es zusätzlich die Gelenke der Hinterhand beugen mag, erhalten wir eine Schulparade ( HIER kann man über die Schulparade lesen). Im Umkehrschluss erhalten wir das, was ein altes deutsches Reitersprichwort sagt: " Was Du in der Hand hast, hast Du hinten nicht getan"- irgendwie ist aus Fluss Spannung geworden.


Die Richtungen des Energieflusses im Pferdekörper, die man zum Beispiel mit der Paradenarbeit beeinflussen kann.

Wir wissen heute: 80% der Verläufe der Faszien stimmen mit den Energieflüssen der Traditionellen Chinesischen Medizin ( TCM) überein. Bei Störungen in diesem Bereich können bewährte Techniken wie Akkupunktur und Akkupressur helfen, es gibt aber auch spezielle Techniken, die sich mit dem Energiefluss und deren Störungen befassen.Die Cranio-Sakral-Therapie ist eine ganz wichtige Arbeit, wenn es um die Einheit des Körpers geht.

Zusätzlich zu diesen großen Energieflussrichtungen im Pferdekörper gibt es auch ein fast geschlossenes Energiesystem im Pferdeschädel, das sich dann später über Genick und Zungenbein dem Körper "mitteilt". Angefangen mit den Vorderzähnen setzt dieses System bei der Maxilla , dem Oberkieferknochen des Pferdes an. Dann geht es weiter über das Keilbein ( os sphenoides) und trifft dort auf die Schädelbasis, wo es zusammen mit dem Hinterhauptsbein ( os occipitale) eine schalenförmige Struktur ergibt, aus der das Rückenmark austritt.


Energiefluss im oberen Pferdeschädel



Wenn wir eine Zäumung für unser Pferd wählen, müssen wir also vorher wissen: auf welche Energieflussrichtung, auf welche funktionale Kette möchte ich einwirken?

Wählen wir den Kappzaum, ein Sidepull, eine Hackamore oder eine andere gebisslose Zäumung ( ein Sonderfall ist hier das Bosal weil es sich in seiner Wirkungsweise von anderne gebisslosen Zäumungen unterscheidet), dann arbeite ich durch die Funktion der Zäumung an der OBERLINIE des Pferdes. Wir haben vom Boden aus mit Techniken wie Bodenarbeit und Longenarbeit die Möglichkeit, diese Oberlinie zu verlängern, eventuell unterstützt durch einen Impuls der Hand, der das Pferd in Richtung noch vorne-unten mit der Pferdenase weist. So können wir dem Pferd beibringen, sich zur Hand hin zu strecken und können ihm das Verlängern der Oberlinie erklären.

Zusätzlich hat der Kappzaum die Fähigkeit, dem PFerd einen SEITWÄRTS STELLENDEN IMPULS zu geben. Doch dieser ist mir größter Vorsicht zu geben. Nicht umsonst ließ zB Gueriniere seine Schüler ausschließlich mit Kandare reiten, damit der formgebende Impuls des Sitzes und des Schenkels, der als eine Verlängerung der Sitzhilfe gesehen werden muß, nicht durch eine anders lautende Hilfe der Hand gestört wird. Das Pferde müßte sonst entscheiden: " Auf welche Hilfe soll ich ungehorsam sein?" Es wird die Entscheidung zu der Hilfe hin treffen, die mit größerem Druck gegeben wird- oft genug die Hand des Reiters. Dann kommt es dazu, dass die Energieflussrichtungen gestört sind, anstatt das Pferd immer mehr zu einen haben wir es in Teile "zerlegt".

 

Der Ausgang des Rückenmarks am Hinterhauptbein: eine der sensibelsten Stellen im Körper des Wirbeltiers. Hier darf es nicht zu Störungen kommen, indem man zB zu viel seitliche Stellung mit der Hand erzeugt.


So hatten die Alten Meister bis Mitte des 19.Jhrdt. keine Konzepte für eine seitliche Beeinflussung des Genickes. Das, was sie als "Stellung" bezeichneten, kennen wir heute unter dem Begriff " Beizäumung": es meint das Aufdehnen des Genicks an der Oberseite.  So ließen sie die seitliche Stellung von Halswirbelsäule und Kopf weitesgehend ungeformt und sahen sie als eine Information darüber, wie die Wirbelsäule im restlichen Leib geformt war, wie Energie fließt. Diejenigen Reitmeister, die versuchten, an diesen Dingen zu manipulieren ( Sie erinnern sich? Cum mano pellere- mit der Hand ziehen), hatten oft ihr Reiterleben lang Probleme , dem Pferd bestimmte Bewegungsmuster, zB des Heben des Brustkorbes in eine Richtung oder das losgelassene Durchschwingen des inneren Hinterfusses, zu vermitteln.


"Das junge Pferd im Schritt in der Bahn" von Baron Reis von Eisenberg: Der Reiter sitzt ohne Bügel auf dem Pferd, Form sucht er nicht über die Einwirkung der Hand, sondern Sitz und Schenkel. So beeinluft er zuerst den Schwung der Wirbelsäule. Dieser ist sichtbar am Takt: der Viertakt Schritt gewinnt an Diagonale, Kopf ung Halsform zeigen, dass das Pferd noch mit der Fomrgebung der Oberlinie beschäftigt ist. Sein Buch erschien 1772

Fast zeitgleich erscheint die "Reitbibel Portugals", das Werk " Luz da liberal e nobre arte da cavallaria" von Manoel C. Andrade wurde 1790 erstmals verlegt. Er beschreibt auch im Text seine Schwierigkeiten mit der Rotationsmöglichkeit der Wirbelsäule und hat oft Probleme, das Pferd durch zuviel Handeinwirkung - er nutzt  einen am Sattel befestigten Hilfszügel, der durch den Kappzaum geführt wurde zusätzlich zur Zäumung mit Kandare-vor dem Burstkorb "abzuknicken" und auf die äußere Schulter zu arbeiten.



Manche Pferde brauchen bei der Arbeit am Kappzaum zusätzliche Unterstützung, um Balance zu finden. Ihnen kann dann ein "blind" verschnalltes Gebiss helfen- ein Gebiss, das nur im Maul getragen wird, ohne mit dem Zügel in Verbindung zu stehen. Allein dadurch, dass das PFerd das Gewciht des Gebisses auf der Zunge balanciert, läuft es losgelassener und entspannter. Das rührt daher, dass dann, wenn die Zungenspitze von hinten locker gegen die Vorderzähne gelegt wird, die Zunge in ihrem Grund aber abgesenkt wird, wir das erhalten, was wir "Core-Stabilität" nennen: Balance der Körpermitte.

Zusätzlich wird durch das Gegenlegen der Zungenspitze der Energiekreislauf im Pferdeschädel geschlossen , wir sprechen hier nach Evert von der "rostralen Kugel", in der durch das Ansprechen der Kette Maxilla, Nasenbein ( das dann einen Gegenimpuls durch den Kappzaum erhält),  Keilbein und Genick ein posturales Gleichgewicht, das statischer ist als das bewegliche Gleichgewicht mit deutlich mehr Dynamik über die untere Kette , ausgehend vom Zungenbein- und auch wieder endend beim Zungenbein.


Der Pferdeschädel ist ein in sich geschlossenes energetisches System, auf das wir mit Verwendung des Kappzaums direkt einwirken.




Wann ist das Pferd also reif für die Kandare?

Die Alten Meister sind sich einig: das Pferd muss zuerst ein Verständnis dafür entwickelt haben, wie es sich hinter der an seinem vorderen Körperende stehenden Grenze, signalisiert durch die Zäumung mit dem Kappzaum, in seinem Körper "ordnet". Das Pferd entscheidet also, wie es den treibenden Impuls , anlehnend an den Kappzaum, in seinem Körper umsetzt - wir nennen das Selbsthaltung. Das Pferd sucht diese Grenze, diese Anlehnung- die keinesfalls etwas mit Kilos oder Pfunden zu tun hat. Ist das Pferd in der Lage, über seine Oberlinienform ein Gefühl dafür entwickelt zu haben, wie es sich bewegen kann, wie es die Oberlinie so losgelassen abspannen kann, dass es in der Lage ist, mal das eine und mal das andere Hinterbein in Richtung Schwerpunkt auszustrecken, dann wird es Zeit, mit der unteren Linie zu arbeiten: wir nehmen Einfluss auf das Zungenbein. Hier kann der Kappzaum dem Pferd keinen Nutzen mehr bringen, vor allem, wenn die Hand über dem Widerrist geführt wird, sei es bei der Handarbeit oder dem Reiten.


Pluvinel lehrt das Pferd zwischen zwei Pilaren. Es holt sich die Information über seine vordere Grenze selber durch ein Herantreten an den Kappzaum, während die Gerte mal rechts, mal links einen treibenden Impuls am Leib gibt. Wir sehen den berühmten " Tanzschritt": so wurden Seitengänge im Frühbarock zwischen den Pilaren gearbeitet. Quelle: bayr. Staatsarchiv


Eine typische Kandare der Renaissance aus der Fayser-Ausgabe des Grisone ( Augsburg, 1570)

Arbeiten wir heute auf Kandare, befinden wir uns in bester Tradition. Eine Kandare per se zu verteufeln zeugt davon, dass man sich nicht intensiv genug mit der Wirkung der verschiedenen Zäumungen und ihren Effekten auf das Pferd auseinandergesetzt hat.



Kandarenreif ist ein Pferd also dann, wenn es den Impuls der Hand bis zum Hinterbein- dessen Huflederhaut ebenso ein Teil des Faszienkörpers ist wie die Hirnhäute und Knochenhäute des Schädels und deshalb in direkter Korrespondenz stehen-  störungsfrei annehmen kann und wir beginnen wollen, diesen nun ausgehend vom Hinterbein zurück zur Hand zu schicken- in der Reitersprache heißt das "Durchlässigkeit". Hier setzt das berühmte Zitat Gustav Steinbrechts an: " Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade." Weiter heißt es: "Unter diesem Vorwärtsreiten verstehe ich nicht ein Vorwärtsreiben des Pferdes in möglichst eiligen und gestreckten Gangarten, sondern vielmehr die Sorge des Reiters, bei allen Übungen die Schiebkraft der Hinterfüße in Thätigkeit zu erhalten, dergestalt, dass nicht nur bei den Lektionen auf der Stelle, sondern sogar bei Rückwärtsbewegungen das Vorwärts,d.h. das Bestreben die Last vorwärts zu bewegen, in Wirksamkeit bleibt."( Gymnasium des Pferdes, Berlin, 1885) Dieses Vorwärts-Schwingen, Vorwärts-Streben ist gemeint, wenn es um das berühmte reiterliche "vorwärts" geht, des mit dem Tempo so überhaupt nichts zu tun hat.

Ein weiterer ganz wichtiger Grundsatz lautet: " Ferner verstehe ich unter der geraden Richtung nicht seine völlig ungebogene Körperhaltung, sondern das Vorwärtsgerichtetsein seiner Vorhand auf diejenigen Linien, die es abgehen soll, dergestalt, dass es unter allen Umständen, selbst mit der stärksten Biegung seines Körpers und in den Lektionen auf zwei Hufschlägen , mit seinen Vorderfüßen den hinteren vorschreitet, welche ihrerseits wiederum den ersteren unbedingt folgen müssen, indem sie stets in der Richtung der Bewegung vor und niemals seitwärts dieser Richtung zu treten haben". ( dito)

Das hier beschriebene Prinzip des Vorwärtsgehens und Geraderichtens will Eins erreichen: die Einheit des gesamten Körpers des Pferdes, einen neurologischen Input, der für Körperintelligenz sorgen will, dafür, dass das PFerd in seiner vollen Kraft beweglich wird.


Je weiter der Hinterhuf in Richtung Zungenbein vorschwingen kann, desto mehr "Vorwärts" im Sinne Steinbrechts hat die Bewegung. Wichtig: ausgehend von der Hinterhand des Pferdes verlängert sich die Oberlinie, während sich die Unterlinie verkürzt.


Seit Jahrhunderten wußte man also: es braucht den Kappzaum und dann die Kandare, will man dem Pferd auf seinem Weg zur Balance helfen. Das Trensengebiss , obwohl historisch gesehen viel älter , spielte für die Alten Meister für die Ausbildung des Pferdes in der Bahn keine große Rolle. Es wurde ab und an zu Korrekturzwecken verwendet, war aber kein Mittel des täglichen Gebrauchs. Wir finden bei Gueriniere ihre Erwähnung, er bezieht sich auf den Herzog von Newcastle, der das Pferd mit starken Paraden im Wechsel am rechten und linken Zügel " den Kopf herbei" bringen wollte, ein Prozess, den wir heute "Riegeln " nennen und der alles andere als pferdefreundlich ist.


Wer dem Pferd Schmerzen zufügen will, braucht dafür kein Gebiss. Ein so verschnallter Kappzaum ist  nichts Anderes tierquälerisch zu nennen. Es ist die Intention des Menschen, dem Pferd zu schaden oder zu nutzen, die die entscheidende Rolle spielt. Quelle: "Zügelführung mit Gefühl", Gerd Kapitzke

Der begleitende Text erklärt, dass Pferd solle mit Hilfe der Einwirkung des Kappzaums "Gehorsam lehren". Von Hilfe für das Pferd ist nicht die Rede. Quelle : "Zügelführung mit Gefühl", Gerd Kapitzke



Auch hier: ein viel zu tief und zu eng verschnallter Kappzaum machen ein Loslassen des Pferdes unmöglich. Wenn von "führungsanspruch" , wie hier im Bildtext die Rede ist, sollte das Konzept der Ausbildung des Pferdes neu überdacht werden. Quelle: " Zügelführung mit Gefühl", Gerd Kapitzke


Wenn wir also über die richtige Zäumung für unser Pferd nachdenken, müssen wir uns der einzelnen Effekte dieser Zäumungen auf das Pferd bewußt sein. Wir müssen wissen: nutzen wir den Kappzaum, wirken wir nicht nur auf den Schädel des Pferdes ein, wir beeinflussen nicht nur dirkete Motorik, sondern nehmen auch Einfluss auf den Cranio-Sakralen -Rhythmus im dynamischen Organismus. Der Schädel ist nicht fest verwachsen, die verschiedenen Knochenhäute sind Teil des Faszienkörpers, die stehen im austausch , sowohl in stofflicher Hinsicht, als auch in nuroligischer Funktion. Empfindliche Pferde werden in ihrem Energiefluss schon durch eine einzige zu harte Bewegung der Hand gestört . Diese Störung überträgt sich in den gesamten Körper.


VORHER

Diego, auf dem Bild 12 Jahre alt, war durch die Verschiebung etlicher Knochenstrukturen in seinem Schädel sichtlich geschädigt, ein Energiefluss war incht mehr möglich. Ein dauerhaft zu eng verschnalltes Reithalfter bei gleichzeitigem extensiven Einsatz der Hand hatte ihn in seinem Leben als Sportpferd so sehr geschädigt, dass er an Körper und Geist krank wurde. Nach einem Besitzerwechsel wurde schließlich auch die Arbeitsweise umgestellt und er bekam eine neue Chance

NACHHER

Knapp ein Jahr später: dank vorsichtiger Arbeit mit dem Kappzaum hat sich vor allem die Oberlinie verändert. Diego wurde nur am Boden und im Stand gearbeitet, eine diffizile, aber sehr effektive Hilfe für das Pferd. Der schönste Effekt: aud dem  ehemaligen Autisten Diego ist ein interessiertes, lebensfrohes Pferd geworden, das wieder Gefallen an  menschlicher Gesellschaft und Bewegung gefunden hat.


Vom Patienten zum Pferd mit Bewegungsfreude: Diego, auf dem Bild das hintere Pferd nach ca. 1,5 Jahren Arbeit


So kann ein Kappzaum Nutzen bringen, aber eben nur dann, wenn man ihn zum Nutzen des Pferdes einsetzt. Das Allerwichtigste: der Schädel des Pferdes muß schwingen und klingen können: caput sonus. Nur dann verwenden wir den Kappzaum so, wie ihn die Alten Meister dachten.

 

Über die genaue Wirkunsgweise der Kandare wird es dann im zweiten Teil dieses Artikels gehen.



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